Unternehmerumfrage der Wirtschaftsförderung: Die Stimmen der Bülacher Unternehmen

Die Unternehmen Bülachs haben sich in einer Umfrage zu ihrer wirtschaftlichen Lage in Bülach geäussert. Als positive Standortfaktoren werden die Nähe zur Wirtschaftsmetropole Zürich und zum Flughafen sowie die sehr gute Verkehrsanbindung genannt. Handlungsbedarf sehen die Bülacher Unternehmen im Fachkräftemangel vor Ort, der ungenügenden Verfügbarkeit von Parkplätzen und den Preisen für Gewerberäume.

 Die Umfrage ist repräsentativ für den Wirtschaftsstandort Bülach: dank dem stolzen Rücklauf von 48 Prozent sind 70 Prozent der Arbeitsplätze in der Stadt Bülach vertreten. Die Bülacher Wirtschaftsförderung dankt allen  Unternehmen sowie den Organisationen Gewerbe Bülach, bülachSTADT und Bülacher Industrien für ihr Mitwirken an der Befragung.

Positive Standortfaktoren: Verkehrsanbindung, Nähe zu Zürich und Flughafen

Folgende Standortfaktoren beurteilen die Bülacher Unternehmen mehrheitlich positiv: die Nähe zu Zürich, die überdurchschnittlich gute Verkehrsanbindung an das Autobahn- und Schienennetz sowie die Nähe zum Flughafen. Das sind hervorragende Rahmenbedingungen für die Entwicklung national und international tätiger Unternehmen.

Wachstumsabsichten, KMU-Rückgrat und Entwicklungspotential

Die Umfrage zeigt, dass vor allem die Grossunternehmen aus dem Life Science-Bereich sowie der Maschinen- und Metallbauindustrie Wachstumsabsichten haben. Die international tätige Standortförderung Greater Zurich Area siedelte im Jahr 2017 100 Firmen an, davon 33 in den genannten beiden Clustern. In Bülach stammen ca. 40 Prozent der Arbeitsplätze aus diesen Clustern. Allerdings bedeutet die überdurchschnittliche Bedeutung einzelner Grossfirmen ein gewisses Klumpenrisiko für den Wirtschaftsraum Bülach.

Das KMU-Rückgrat der Bülacher Wirtschaft ist der Bausektor. Die rege Bautätigkeit in der Flughafenregion führte in den letzten 15 Jahren zu einem stetigen Wachstum des Bauhaupt- und Nebengewerbes. Wie die Umfrage zeigt, ist zukünftig eher von einer Stabilisierung der Baubranche auszugehen. Eine gewisse Marktsättigung, beispielsweise bei Bürogebäuden, spiegelt sich in den Leerständen und den Schwierigkeiten bei der Vermietung wieder. Zudem ist insbesondere der Bausektor abhängig von Zinsentwicklungen.

Grosses Potential zeigt sich hingegen bei den Unternehmen im Bereich Informations- und Kommunikations-technologie (IKT). Die IKT-Unternehmen bilden nach Anzahl Betrieben und Arbeitsplätzen den kleinsten, aber am stärksten wachsenden Cluster. Beim IKT-Cluster handelt es sich um eine Querschnittsbranche. Die Digitalisierung führt zu einem raschen Wandel von Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen bei verschiedenen Wirtschaftsakteuren. Folglich befinden sich die IKT-Unternehmen als Anbieter neuer technologischen Lösungen selbst in einem stetigen Veränderungsprozess und einem hoch kompetitiven Markt. Der Kanton Zürich weist in den letzten fünf Jahren eine überdurchschnittliche Zunahme an Arbeitsstätten, Arbeitsplätzen und realer Wertschöpfung aus dem IKT-Bereich im Vergleich zur schweizerischen Gesamtwirtschaft auf. Bei zahlreichen kleineren IKT-Firmen handelt es sich um Jungunternehmen. In Bülach Nord, wo moderne Büro- und Gewerbeflächen entstehen, bietet sich die Chance zusätzliche Firmen aus diesem Cluster anzusiedeln.

Wirtschaftsstandort Bülach: Handlungsbedarf

Den grössten Handlungsbedarf sehen die Bülacher Unternehmen im Fachkräftemangel vor Ort, der ungenügenden Verfügbarkeit von Parkplätzen und den hohen Mietpreisen. Schweizweit wird sich der Fachkräftemangel vor allem in den Bereichen Pharma, IKT und dem Ingenieurwesen weiter zuspitzen. Grosse Firmen, die sich in der Nähe oder in einer Partnerschaft mit einer örtlichen Hochschule / einer höheren Bildungsinstitution befinden, sind hier klar im Vorteil. Aber auch weiche Standortfaktoren spielen bei der Suche und beim Halten von Fachpersonal eine wichtige Rolle. Dazu zählen das Arbeitsumfeld, Freizeitaktivitäten und Kulturangebote, Kindertagesstätten usw. Diese Themen hat der Bülacher Stadtrat mit Blick ins Jahr 2030 als Schwerpunkt festgehalten: „Bülach lebenswert – eine attraktive Wohn- und Arbeitsstadt.“ Die Umfrage zeigt, dass insbesondere die Anbieter von Freizeitaktivitäten sowie das Gewerbe im Stadtzentrum eine bessere Erreichbarkeit ihrer Geschäfte und damit einhergehend zusätzliche Parkplätze fordern. Dies sei notwendig um die Wirtschaftlichkeit ihrer Unternehmen heute und in Zukunft sicherzustellen.

Eine weitere betriebswirtschaftliche Herausforderung sieht die Mehrheit der Unternehmen in den hohen Miet- und Kaufpreisen von Gewerbeflächen und Industriebauland in Bülach. Hier besteht eine gewisse Ambivalenz. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gilt die Entwicklung der Preise für Bauland und Gewerbeflächen als Indikator für den Aufschwung eines Wirtschaftsstandorts. Der Preisanstieg ist einerseits auf die Knappheit der verfügbaren und erschlossenen Entwicklungsflächen in der Flughafenregion zurückzuführen. Andererseits hängt er mit dem starken Wachstum von Bülach als Wohnstandort (und in Zukunft auch als Gewerbestandort) zusammen. Für eine gesunde Stadtentwicklung ist es wichtig, auch in preislicher Hinsicht ein breites Angebot zu gewährleisten.

Umfrageergebnisse helfen, Massnahmen zur Wirtschaftsstrategie zu präzisieren

Zusammenfassend bewerten die Bülacher Unternehmen die Qualität ihres Wirtschaftsstandorts durchaus positiv. Sie sehen Potentiale und Handlungsbedarf in Feldern, wo die Stadt Bülach mit der Wirtschaftsförderung und den jeweiligen Wirtschaftsakteuren proaktiv agieren kann. Und damit den Wirtschaftsstandort Bülach als nördliches Tor zum Metropolitanraum Zürich noch besser positionieren kann.

Christian Mühlethaler
Stadtschreiber
Tel. 044 863 11 25
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27. Mai 2019