Bülach Nord

Nachdem 2002 mit der Glashütte Bülach (Vetropack) und der Bülachguss AG gleich zwei namhafte Industrieunternehmen ihre Tore schlossen und damit das Ende der industriellen Blütezeit in Bülach markierten, stellte sich unausweichlich die Frage, wie Bülach Nord in Zukunft aussehen soll. Die Politik war nun gefordert, die Identitätssuche für Bülach Nord zu lancieren und zu begleiten. Es ist davon auszugehen, dass in Bülach Nord Raum für ca. 2000 Einwohnende und mehrere Hundert Arbeitsplätze geschaffen werden. Links zu den Bauprojekten am Ende der Seite. Zuständig ist Stadtrat Hanspeter Lienhart.

Bülach Nord - ein urbaner, moderner Stadtteil

In einem ersten Schritt wurde zwischen 2003 und 2004 das „Leitbild Bülach Nord“ erarbeitet, welches für ausgewählte, bahnhofsnahe Gebiete Handlungsoptionen aufzeigte. Die Vorstellung, dass in dem bis anhin industriell geprägten Bülach Nord dem Wohnen eine stärkere Bedeutung zukommen soll, kristallisierte sich mit dem Leitbild erstmals heraus. Mit dem Arbeitspapier „Perspektiven der Stadtentwicklung“ festigte der Stadtrat im Jahr 2005 die Vorstellungen aus dem Leitbild in Form von Konzeptskizzen und Lösungsansätzen.

Testplanung Bülach Nord

Unter Berücksichtigung der vorerwähnten Planungsvorgaben erhielt der neu zu entwickelnde Stadtteil mit der Testplanung aus den Jahren 2009 und 2010 erstmals ein Gesicht. Für die festgelegten Entwicklungsgebiete in Bülach Nord wurden städtebauliche Studien erarbeitet, welche u.a. Aussagen zur baulichen Dichte und zum Nutzungsmix machten. Visualisierungen illustrierten die Projektideen. Mit der Testplanung zeigte sich, dass ein ausgewogener Nutzungsmix mit einem hohen Wohnanteil von durchschnittlich 60-70 % anzustreben ist, um sowohl die regionalen wie auch die städtischen Bedürfnisse abzudecken.

Teilrevision der Richt- und Nutzungsplanung und öffentlicher Gestaltungsplan

Um die Planungsabsichten in eine grundeigentümerverbindliche Form umsetzen zu können, wurden in der Folge die kommunale Richt- und Nutzungsplanung einer Teilrevision unterzogen und parallel ein öffentlicher Gestaltungsplan erarbeitet. Während mit der Teilrevision der Richtplanung (Verkehrsplan) die Verkehrsbeziehungen (Wegnetze) geregelt werden, bildet die Teilrevision der Nutzungsplanung die planungsrechtliche Grundlage für den Gestaltungsplan. Im öffentlichen Gestaltungsplan Bülach Nord sind insgesamt vier Teilgebiete (Herti, SBB, Bülachguss, Glashütte) bezeichnet, die jeweils zwei oder mehrere Baufelder ausscheiden, in welchen die bauliche Entwicklung stattfinden kann. Im Interesse der Öffentlichkeit sind wichtige, öffentlich zugängliche Infrastrukturen (z. B. Plätze und Pärke) und Wegverbindungen im Gestaltungsplan bezeichnet worden. Je nach Nutzungsszenario und bei voller Ausschöpfung der festgelegten Nutzungskapazitäten bieten die Baufelder Raum für ca. 2'000 Einwohner und mehrere Hundert Arbeitsplätze. Im Areal Glashütte sind neu auch Hochhäuser zugelassen. Wird diese Möglichkeit genutzt, legen die Bestimmungen zum Gestaltungsplan fest, dass eines im Bereich der Verzweigung Schaffhauser- und Schützenmattstrasse zu stehen kommt, zur Akzentuierung des künftigen Stadtzugangs in Bülach Nord. Generell sorgen zahlreiche qualitätsbezogene Auflagen in den Bestimmungen dafür, dass eine hohe städtebauliche Qualität in den Arealen gewährleistet wird. Auf die umliegenden Quartiere, wie z.B. auf das Soliquartier, wurde dabei speziell Rücksicht genommen.
Ein Kernstück der Stadtentwicklung ist die geplante Passerelle nördlich des Bahnhofs über die Gleisanlagen der SBB. Die Passerelle soll Bülach Nord und weitere Stadtteile mit dem westlich der Gleisanlagen befindlichen Spitalquartier und dem Naherholungsgebiet und den Bahnhof (Perrons) für Fussgänger und Radfahrer verbinden. Im Betriebs- und Gestaltungskonzept Bülach Nord wurde zusammen mit dem Kanton aufgezeigt, wie das durch die Bautätigkeit verursachte Verkehrsaufkommen unter Berücksichtigung weiterer Rahmenbedingungen vom Strassennetz bewältigt werden kann und wie die Gestaltung der Strassenräume und Knoten aussehen wird.

Mehrwertausgleich

Im Rahmen einer Entwicklungsvereinbarung (öffentlich-rechtlicher Vertrag) beteiligen sich die Grundeigentümer im Sinne einer partnerschaftlichen Lösung und eines Mehrwertausgleichs für die Gesamtplanung Bülach Nord substanziell an den Kosten ausgewählter Infrastrukturanlagen. Für strassenseitige Massnahmen gewähren sie zudem kostenlose Landabtretungen. Weitere Vereinbarungen mit den Grundeigentümern beziehen sich auf die Bereitstellung von preisgünstigem Wohnraum.

Investitionen in die Entwicklung von Bülach Nord

Die Investitionskosten der Stadt Bülach für Infrastrukturanlagen belaufen sich - ohne die Anteile Dritter aus der Entwicklungsvereinbarung (Grundeigentümer) und aus dem Betriebs- und Gestaltungskonzept Bülach Nord (Kantonsbeitrag) von gesamthaft ca. 22,4 Mio. Franken – auf geschätzte 18,4 Mio. Franken. An privaten Investitionen für die Realisierung dieses neuen Stadtteils ist mit rund einer Milliarde Franken zu rechnen.

Planfestsetzung und Genehmigung Baudirektion

Der Gemeinderat hat am 18. Mai 2015 das Planungspaket festgelegt und einen Rahmenkredit von 18,4 Mio. Franken zur Erneuerung und Ergänzung der notwendigen Infrastruktureinrichtungen in Bülach Nord bewilligt. Die Baudirektion Kanton Zürich hat die kommunalen Planfestsetzungen mit Verfügungen vom 7. und 13. Oktober 2015 genehmigt. Das Amt für Raumentwicklung (ARE) der Baudirektion attestiert dem Planungswerk, dass eine vorbildliche und auf die übergeordneten Raumordnungskonzepte von Kanton und Region abgestimmte Planungsgrundlage für die künftige Entwicklung von Bülach Nord geschaffen wurde.

Die Planungen zu Bülach Nord sind am 18. Dezember 2015 in Kraft getreten.

Illustrationen