Geschichte/Rathaus

Impressionen Bülach einst und heute

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Die Bilder wurden in Zusammenarbeit mit Alfred Meier-Graf aufbereitet. Er hat freundlicherweise auch die aktuellen Bilder gemacht.

Mehr als 1200 Jahre Bülach

Stadt – und Marktrecht

Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert wurde Bülach von verschiedenen kirchlichen und weltlichen Herrschaften regiert. Im 9. und 10. Jahrhundert herrschte das Kloster St. Gallen über Bülach. Mitte des 11. Jahrhunderts gingen die herrschaftlichen Rechte an das Strassburger Domstift über. Ende des 12. Jahrhunderts bis 1376 amteten die Freiherren von Tengen als Vögte. Die sich im Hochmittelalter zu einer geschlossenen Siedlung entwickelnde Ortschaft war bereits im 13. Jahrhundert mit Mauern befestigt. 1384 bekam Bülach das Stadtrecht verliehen. Zwei Jahre darauf wurde die Stadt von den alten Eidgenossen in Brand gesteckt. Im Jahr 1407 schloss Bülach mit Zürich ein ewiges Burgrecht. Am 17. März 1409 verpfändete Herzog Friedrich von Österreich Bülach und Regensberg an die Stadt Zürich, das die Stadtrechte allerdings nicht antastete.

1412-1798 bildete Bülach mit Bachenbülach, Niederflachs und Nussbaumen eine zürcherische Obervogtei. Der Stadtkern gehörte fortan zu den sechs ummauerten zürcherischen Landstädtchen. Bülach wurde 1444 sowie auch 1506 erneut niedergebrannt. 1523 hielt die Reformation in Bülach Einzug.

Das städtische Leben spielte sich im bäuerlichen Rahmen ab, die meisten Einwohner waren in der Landwirtschaft tätig. Mit dem Untergang der alten Eidgenossenschaft verlor Bülach 1802 sein Stadtrecht. Hingegen ist das Marktrecht zu einer bis heute andauernden Tradition geworden. Dreimal jährlich findet in der Altstadt ein Warenmarkt statt, zu Beginn der Adventszeit folgt der Weihnachtsmarkt.

Mit der neuen Kantonsverfassung im Jahr 1831 wurde das Oberamt Embrach in den heutigen Bezirk mit Namen und Hauptort Bülach umgewandelt.
1849 wurde Bachenbülach eine selbständige Gemeinde.

1919 kam Eschenmosen, vorher zur Gemeinde Winkel gehörig, zu Bülach. Seit 1974 besitzt die Gemeinde ein Stadtparlament.

Wirtschaftliche Entwicklung

Bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein blieb Bülach ein auf sich abgestelltes und vom bäuerlichen Leben geprägtes Landstädtchen. 1876 wurde Bülach durch eine Linie nach Zürich, 1876/77 nach Winterthur und Baden, an das schweizerische und internationale Bahnnetz angeschlossen. Als Folge davon setzte die Entwicklung des Gewerbes und der Industrie ein, eingeleitet durch die Erstellung der Glashütte im Jahre 1891.

Heute ist Bülach im Halbstundentakt mit Halt auf allen Stationen mit Zürich verbunden. Zusätzlich verkehrt stündlich ein Regionalexpress von Schaffhausen über Bülach nach Zürich. Nach Winterthur verkehren Regionalzüge im Halbstundentakt und der nahegelegene Flughafen Zürich-Kloten  ist mit Schnellbussen erschlossen. Im Gebiet der Stadt Bülach verkehrt eine Durchmesserlinie nach Bülach Süd.

Bülach und Seldwyla

In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab der Dichter Gottfried Keller sein bekanntes Buch "Die Leute von Seldwyla" heraus. Gleich darauf entbrannte in Bülach die Diskussion, ob die Stadt wohl dem Dichter als Vorbild für sein Seldwyla gedient hätte. Die Vermutung lag nahe, da Gottfried Keller öfters seine Verwandtschaft im benachbarten Glattfelden besuchte und Land und Leute gut kannte. Dabei war die Gleichsetzung mit Seldwyla gar nicht schmeichelhaft, werden deren Bürger doch als schrullig und leichtlebig dargestellt. Die Frage jedoch wurde weder zu Lebzeiten des Dichters noch später geklärt und schwebt seither unbeantwortet über den Dächern von Bülach.

Quellenangaben

Rathaus

Das Rathaus, das alte Schulhaus an der Hans-Haller-Gasse 9, das Sigristenhaus und zwei weitere Wohnstätten bilden mit der inmitten einer Grünfläche auf einer sanften Erhebung stehenden Ref. Kirche den Kern der Altstadt. Das Rathaus wurde 1672/73 durch den Baumeister Heinrich Gassmann errichtet. In den Jahren 1745 und 1803 fanden kleinere Renovationen statt, 1831 wurde das Rathaus im Zusammenhang mit der Erhebung Bülachs zum Bezirkshauptort zum Bezirksgebäude ausgebaut.

Rathaussaal

Im ersten Obergeschoss liegt der typischen Renaissance-Barock-Übergangsstil ausgeführte Rathaussaal. Prächtig präsentiert sich bereits der Zugang zum Saal: Die Nussbaumtüre besitzt ausserordentlich reichhaltige Beschläge. Im Innern des Saales prunkt ein Nussbaumbuffet in typischer renaissancehafter Detailliebe mit vielfältigen und kleinteiligen Ornamentsschnitzereien sowie ein zinnernes Giessfass.

Das raumbeherrschende Prunkstück des Saales ist aber zweifellos der 1673 von Hans Heinrich Graf (1635 - 1696) erstellte achteckige Turmofen mit den Fayence-Malereien von Heinrich Pfau (1642 - 1719). Der zweigeschossige Ofen steht auf gebrauchten Sandsteinfüssen und folgt einem üblichen Aufbau mit Unterbau, Turm und Wandverkleidung. Den oberen Abschluss des Ofens bildet ein auskragendes Kranzgesimse mit bekrönendem Puttenfries aus durchbrochenen Reliefkacheln, in welches eine Wappenkartusche mit der Jahreszahl 1673 eingesetzt ist. Unterbau, Oberbau und Wandverkleidung werden durch lisenenartig hervortretende Eckkacheln und reich profilierte Gesimskacheln in niedere Füllungsfriese und hochrechteckige Füllungsfelder unterteilt. Die struktiven Eckkacheln sind beim Unterbau und der Wandverkleidung mit Aposteldarstellungen und am Turmaufsatz mit Darstellungen der acht Tugenden bemalt. Auf den Füllungskacheln sind in rollwerkartigen Kartuschen Szenen aus der Genesis mit Begleitsprüchen dargestellt. Das Fries beim Kranzgesimse enthält die Wappen der Stadtvorsteher sowie Masken- und Jagddarstellungen (Quelle: Schweizerische Kunstführer).

Benützung des Rathaussaals

Im Rathaussaal finden die Trauungen statt. Grundsätzlich alle zwei Wochen tagt der Stadtrat im Rathaussaal. Im übrigen dient er heute als Sitzungszimmer.