Neujahrsansprache des Stadtpräsidenten

Ä guets Nois! Grüezi mitenand…

Die meisten von uns hier teilen wohl die Erfahrung, dass es einem mit dem Älterwerden so vorkommt, dass die Jahre immer schneller vorübergehen. Ebenso machen wir die Erfahrung, dass wir sie  unterschiedlich intensiv erleben, es gibt Jahre, die wir gerne mit vielen positiven Erlebnissen in Erinnerung behalten. Leider gehören aber auch andere Zeiten dazu… schwierige Jahre oder Jahre, die von Schicksalsschlägen geprägt sind… Jahre, die wir alle gerne hinter uns lassen. Für mich ist soeben ein solches zu Ende gegangen. Nebst dem Verlust meiner Mutter erlebte ich vor kurzem mit einer zweifachen Netzhautablösung einen schweren gesundheitlichen Rückschlag mit einer ungewissen Entwicklung. Wie schwierig auch immer das vergangene Jahr für einige von uns war, so hoffe ich, dass wir alle trotzdem einen Weg finden mit dem, was uns begegnet ist, umzugehen. Daneben gibt es bestimmt auch viel Erfreuliches, auf dass wir dankbar zurückblicken können.

Rückblick

Einige Höhepunkte und Ereignisse erwähne ich nun im Rückblick auf das Jahr 2015:

  • Spatenstich der Grosssporthalle
    Für alle Sportbegeisterten unter uns war der lang ersehnte und mittlerweile berühmte „Jürgsche“ Spatenstich bestimmt ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung unserer Sportinfrastruktur.

  • Das Parlament hat zwei wichtige Entscheide für die Entwicklung unserer Stadt gefällt:

    Mit dem Planungskredit für das Stadthaus (ZVG) am Sechtbach ist der Startschuss für dieses wichtige Projekt gefallen. Die Bestellung, wie beispielsweise das Raumprogramm, ist erstellt, die Jury hat ihre Arbeit aufgenommen und die sieben Teams für die erste Wettbewerbsphase sind bereits ausgewählt.

    Die über 10 Jahre lange Planungsphase für das alte Industrieareal in Bülach Nord wurde endlich beendet. Im Mai bewilligte der Gemeinderat die Teilrevision der Richt- und Nutzungsplanung und den öffentlichen Gestaltungsplan. Seit wenigen Wochen sind beide wichtigen Planungsinstrumente in Kraft getreten.

  • Seit dem 1. Juli führt die Stiftung Alterszentrum Region Bülach alle Altersinstitutionen in Bülach unter einem neuen Dach und hatte kurz darauf die erste Feuerprobe im „wahrsten Sinne des Wortes“ zu bestehen. Leider brach im Wohnenplus Gringglen ein Feuer aus und machte die Liegenschaft für einige Monate unbewohnbar. Für die Bewältigung dieses Ereignisses und die anschliessende Versorgung kann ich allen Beteiligten der Feuerwehr, der Genossenschaft für Alterswohnungen und des Spitals nur Bestnoten verteilen. Vor allem bin ich aber dankbar, dass niemand zu Schaden kam.

  • Lokale Abstimmungen
    Beide Initiativen hatten an der Urne einen schweren Stand. Das Stadtblatt wurde ebenso abgelehnt wie ein Kulturartikel in unserer Gemeindeordnung. In diesem Zusammenhang gilt es zwei Personen speziell zu würdigen. Für das Stadtblatt hat sich die Initiantin Bea Cornaz mit viel Herzblut engagiert. Ich danke ihr und bin froh, dass sie sich, trotz dieser „Niederlage“, weiterhin mit so viel Engagement für unsere Stadt und den gemeinnützigen Frauenverein engagiert. Der zweite Initiant Martin Bühler ist leider letztes Jahr von uns gegangen. Seine Persönlichkeit und sein Engagement für diverse soziale und kulturelle Themen waren vorbildlich und haben über die letzten Jahrzehnte tiefe Spuren in unserer Stadt hinterlassen. Ich habe ihn sehr geschätzt und vermisse die angeregten Gespräche mit ihm.

    Die vom Gemeinderat beschlossene Privatisierung der städtischen Kinderkrippe wurde, wenn auch nur knapp, an der Urne bestätigt.

  • Kulturelle Highlights:
    Unsere JazzTage waren bei schönstem Sommerwetter ein genialer Anlass und ich freue mich, dass sich dieser Anlass dank dem Dreamteam von Maria und Patrick Tantanini und den vielen Helferinnen und Helfern zu einer Tradition entwickelt.

    Das 50 Jahre Jubiläumskonzert des Kammerchors Zürcher Unterland in der Stadthalle mit dem Werk von Mendelsohn ELIAS war ebenfalls ein kultureller Höhepunkt.

    Ein grosses Dankeschön gilt hier allen Veranstalterinnen und Veranstaltern.

Wer von Ihnen ist Neuzuzüger und steht zum ersten Mal da?
Schauen Sie regelmässig in den Stadtkalender: Sie werden staunen, was Bülach wöchentlich alles bietet!

Der letzte Punkt meines Rückblicks auf das Jahr 2015 hat schliesslich auch einen Bezug zum Ausblick auf das neue Jahr.

Was für uns das ganze letzte Jahr in den Medien präsent und weit weg war, wird nun auch in Büli für uns sicht- und spürbarer. Die Anzahl Flüchtlinge, die unsere Stadt aufzunehmen hat, steigt vorerst um 40 Personen. Wir werden gegen 180  Personen zu betreuen haben.

Während sich die internationale Politik bemüht, Lösungen für diese Tragödien zu finden und sich auch bemüht, den Flüchtlingsstrom durch Hilfe vor Ort zu reduzieren, sind wir gefordert, die uns zugewiesenen Personen aufzunehmen.

Die offizielle Stadt Bülach und damit meine ich den Bereich der „Flüchtlings- und Asylkoordination“, geführt von unserer nunmehr seit 25 Jahren engagierten Verena Meier, nimmt die ankommenden Flüchtlinge mit einer positiven Grundhaltung auf. Dabei ist uns hier in Bülach das Prinzip des Förderns und Forderns oder des Gebens und Nehmens äusserst wichtig. Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Unterkünfte nach klaren Regeln geführt werden. Mit unterschiedlichen Ein-, Zwei oder Mehrbettzimmern haben wir ein gut funktionierendes Bonus-Malus-System. Wir erwarten für die Unterstützung, wo immer möglich, auch eine Gegenleistung.

Ich habe vorher die offizielle Stadt Bülach erwähnt, aber es stellt sich auch die Frage, wie sonst die Stadt Bülach, also wir alle, diese Menschen aufnehmen. Wir alle sind gefordert, den Menschen mit einer positiven Grundhaltung zu begegnen. Manchmal ist das zugegebenermassen mit unseren Erfahrungen oder Vorurteilen gewissen Personen- oder Religionsgruppen gegenüber nicht einfach… Ich denke, wir sollten es trotzdem immer wieder versuchen. 

An der kürzlich durchgeführten Flüchtlingsinformationsveranstaltung wurde unter anderem auch angesprochen, dass es uns alle braucht, um eine gastfreundliche Stadt zu sein. Mir gefiel besonders die Aussage einer Zuhörerin: Mit einfacher Freundlichkeit und  Wertschätzung könnten wir alle einen enormen Beitrag für eine erfolgreiche Integration leisten.

Wir sind gerne bereit, einen Effort für diese Menschen in Not zu leisten, wir erwarten aber, dass die Flüchtlinge unsere Werte respektieren und sich entsprechend verhalten. Ich bin klar der Meinung, dass nebst der Spracherwerbung, die Annahme unserer Werte eine der wichtigsten Integrationsleistungen der Flüchtlinge sein muss. Damit meine ich auch eine Anpassung an unsere Kultur und wer nicht dazu bereit ist, sollte kein Bleiberecht erhalten. 

Unserer Gesellschaft ist von christlichen Grundwerten wie die gegenseitige Rücksichtnahme, das Verantwortungsbewusstsein, die Solidarität und dem Streben nach einem friedlichen Zusammenleben geprägt, um nur einige zu nennen. Zu diesen Werten stehe ich voll und ganz  und ich wünsche mir nichts mehr, als dass wir uns wieder vermehrt auf diese Grundwerte rückbesinnen.

Ein weiterer Grundwert ist die Wertschätzung

Er ist eine der wichtigsten Werte für eine gesunde und lebendige Beziehung, aber auch für eine gut funktionierende Gemeinschaft oder eben für eine Stadt. Wir haben die Tendenz, das was noch fehlt oder das was noch nicht optimal läuft, zu sehen, dabei „vergessen“ wir oft, einander für das Engagement zu loben. Eben einander Wert zu schätzen.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten im Alltag, in den Beziehungen, bei der Arbeit und in der Führung, seine Wertschätzung anderen Menschen gegenüber zu zeigen. Zum Beispiel, indem

  • ich mir Zeit nehme und zuhöre,
  • einen Mitmenschen um seine Meinung bitte,
  • die positiven sogenannten „Kleinigkeiten“ von meinem Gegenüber realisiere
  • wahrnehme, was jemand „ausmacht“
  • auch durch regelmässiges Loben und gegenseitiges Ermutigen,
  • durch ehrliches und respektvolles Feedback geben
  • und indem ich Hilfsbereitschaft zeige

Eine gute Möglichkeit dazu ist, sich beim Verein Nachbarschaftshilfe zu melden. Vom monatlichen Schachspiel bis hin zum wöchentlichen Einkaufen ist vieles möglich. Was vor wenigen Jahren klein angefangen hat, wächst jährlich und ich hoffe es tut es auch dieses Jahr. An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei Alexandra Erbarth für die grossartige Arbeit, die sie als Koordinatorin für die Nachbarschaftshilfe leistet und bei allen, die sich heute schon dafür engagieren.

Ausblick auf das Jahr 2016


Im Frühling haben wir bereits die Halbzeit dieser Legislatur.  Der Stadtrat wird Mitte Jahr über den Stand der Legislaturziele informieren. Gerne lade ich Sie ein, den 16. Juni in Ihrer Agenda zu notieren. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass Sie gut informiert sind und wissen, was in allen Abteilungen vor sich geht, eine Möglichkeit auch direkt Fragen stellen zu können. Der Stadtrat orientiert zwei Mal jährlich über seine Arbeit und ich freue mich, wenn ich Sie auch dort antreffen würde.

Anfangs Legislatur hat der Stadtrat im Hinblick auf das kommende Wachstum folgendes Ziel definiert. «Die politischen Strukturen und die Organisation der Stadtverwaltung sind überprüft und optimiert.»

Der Stadtrat hat letztes Jahr auf der operativen Ebene die Organisation angepasst. Die Ausgaben und damit auch die Verwaltung der Stadt Bülach stehen im Vergleich mit zehn ähnlich grossen Städten im Kanton Zürich auf dem sehr guten dritten Rang. Trotzdem wird der Stadtrat dieses Jahr die Stadtverwaltung auf ihre Strukturen, ihre Prozesse und ihre Effizienz durch ein renommiertes Prüfungsunternehmen überprüfen lassen. Es ist mir sehr wichtig, der erfreulicherweise wenigen, aber pauschalen Kritik an unserer Verwaltung mit Transparenz und klaren Fakten begegnen zu können.

Auch dieses Jahr wird uns die Organisationsentwicklung weiterbeschäftigen, insbesondere die Fragen rund um den politischen Strukturen, um den Herausforderungen und dem Wachstum begegnen zu können. Einige politische Rahmenbedingungen unserer Stadt sind mit über 20 Jahren etwas in die Jahre gekommen. Nebst dem offensichtlichen Bevölkerungswachstum um über 50%, sind die Aufgaben unserer Stadt vielfältiger und komplexer geworden.

Eines der wichtigsten Projekte in diesem Jahr ist nach wie vor die Zentrale Stadtverwaltung. Wir werden gegen Ende dieses Jahres das Siegerprojekt vorstellen können.

Was uns dieses Jahr bereits erwartet, ist die Eröffnung der Grosssporthalle. Der Bau ist auf Kurs und die Indoor Sportvereine können sich bereits mit der Hallenbelegung beschäftigen…

Dank

Im Namen des Stadtrates bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen allen, die sich das ganze Jahr über für das Wohl unserer Stadt engagieren. Da ich leider aus gesundheitlichen Gründen am Tag der Freiwilligen nicht dabei sein konnte, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um ein grosses Dankeschön an alle Freiwilligen zu richten. Unsere Sportvereine, unsere kulturellen und sozialen Organisationen haben viele fleissige Helferinnen und Helfer. Ihr Beitrag ist von unschätzbarem Wert. Danke!

Ebenfalls ein grosses Dankeschön gilt allen Personen, die sich für politische Ämter zur Verfügung stellen und sich politisch engagieren - keine Selbstverständlichkeit, denn die grosse Mehrheit unserer Bevölkerung ist vermutlich zufrieden, wie unsere Stadt funktioniert, aber es ist eine kleine Minderheit, die sich dafür einsetzt…

Neujahrswünsche

Ich wünsche, dass Sie in Ihrer Familie, Ihrem Umfeld und in Ihrer Arbeit Wertschätzung und Hilfsbereitschaft erhalten.

Ich wünsche Ihnen viel Zeit für Ihre Freunde und für Ihre Familie und, dass Sie Ihre Prioritäten im Alltag entsprechend setzen können. Ich hoffe Ihre Wünsche und Hoffnungen gehen in Erfüllung und Sie können das Leben dankbar geniessen.

Last but not least, wünsche ich Ihnen Gesundheit, ein erfolgreiches und von Gott gesegnetes neues Jahr.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Mark Eberli, 2. Januar 2016