Grosse Schulhauserneuerung abgeschlossen

Ein Jahr lang mussten die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte des Schulhauses Schwerzgrueb in Bülach mit einem Container-Provisorium vorlieb nehmen. Seit Ende der Sommerferien steht ihnen das angestammte Schulhaus nach einer umfassenden Gesamterneuerung wieder zur Verfügung. Die Kosten belaufen sich auf voraussichtlich 24,5 Millionen Franken.

In der Bülacher Schuleinheit Schwerzgrueb besuchen derzeit 352 Kinder den Kindergarten und die  Primarschule. Das Gebäude stammt aus den 70er Jahren und wurde laufend unterhalten. Vor einigen Jahren zeigte sich, dass eine tiefgreifende Erneuerung aus baulichen und betrieblichen Gründen unumgänglich sein würde. Unter anderem verlangte das Gesetz den Einbau von Gruppenräumen für den Halbklassenunterricht. Die Primarschulpflege Bülach lancierte in der Folge ein Planerwahlverfahren, aus dem 2010 das Zürcher Architekturbüro schibliholenstein architekten sia fsai (Inhaber Markus Holenstein) als Sieger hervorging.

Helle und freundliche Räume

Der Gesamtumbau ist nun mit Ausnahme einiger Umgebungsarbeiten weitgehend abgeschlossen. Der Schulbetrieb, der während des einjährigen Umbaus in ein Containerprovisorium ausgelagert werden musste, findet seit Ende der Sommerferien wieder im angestammten Schulhaus statt. Dort stehen nun unter anderem sieben neue Gruppenräume und zwölf komplett renovierte Klassenzimmer zur Verfügung.

Gestalterisch orientierte sich der Architekt am bestehenden Bau, den das Architektenteam Werkgruppe 73 in den Jahren 1974 bis 1976 plante und erstellte. Da verschiedene Eingriffe die konzeptionelle Qualität des Baus minderten, verfolgten schibliholenstein architekten das Ziel, die ursprünglichen Vorzüge wieder herzustellen und zu verstärken. Nach Ansicht der Primarschulpflege ist ihnen dies bestens gelungen. Die Eingriffe sind zwar gut sichtbar, verschmelzen aber mit dem Bestehenden zu einer Einheit. Insgesamt präsentiert sich das zuvor eher düster und schwer wirkende Schulhaus nach dem Umbau hell und freundlich.

Eingang neu angeordnet

Zu den sichtbarsten Veränderungen gehört der Schulhaus-Haupteingang. Er ist in die Gebäudemitte verlegt und mit einem Vordach ergänzt worden. Der neue Eingangsbereich erschliesst das Schwimmbad (wurde bereits vorgängig saniert), die Turnhalle, das zentrale Veranstaltungsforum sowie den Klassentrakt, so wie es der ursprünglichen Konzeption des Baus entspricht. Anstelle des früheren Eingangsbereiches mit seinem gedeckten Vorplatz sind ein grosses, multifunktionales Sitzungszimmer sowie eine Bibliothek gebaut worden.

Erdbebensicher und ohne fossile Brennstoffe

Neben diesen Massnahmen zeigte sich bei der Gebäudeanalyse auch erheblicher Erneuerungsbedarf bei der Tragstruktur, der Gebäudehülle und der Haustechnik. Diese Mängel sind nun behoben: Dank der statischen Eingriffe und Verstärkungen erfüllt das Schulhaus nun die Anforderungen an die Erdbebensicherheit; die Gebäudehülle ist isoliert und die Fassade neu gestaltet worden.

Energetisch ist das Schulhaus so weiterentwickelt worden, dass keine fossilen Brennstoffe mehr nötig sind. Die ursprüngliche Wärmerzeugung mit Gas ist durch eine reversible Wärmepumpe mit Erdsonden ersetzt worden. Auf dem Dach sorgt eine thermische Solaranlage mit Sonnenkollektoren für die Vorwärmung des Brauchwarmwassers. Zudem erzeugt und eine Photovoltaikanlage Strom. Der CO2-Ausstoss des Schulhauses konnte damit auf 0 reduziert werden. Das Energiekonzept passt damit bestens zum Label Energiestadt, das die Stadt Bülach seit 1999 trägt.

Wichtige Neuerungen im Detail

  • Fassade: Die ursprüngliche Fassade bestand aus Sichtbeton, die aufgrund von Bauschäden aber bereits zehn Jahre nach der Erstellung verkleidet worden ist. Schibliholenstein architekten war es ein Anliegen, das original skulpturale Erscheinungsbild der Komposition wieder aufleben zu lassen. Sie erreichten dies mit einer vorgehängten Fassadenbekleidung aus rund 120`000 Feinsteinzeugplatten. Ihre teils horizontale und vertikale Anordnung nimmt Bezug auf die frühere Sichtbetonstruktur.
  • Gruppenräume: Zum Planungszeitpunkt war der Einbau von Gruppenräumen für den Halbklassenunterricht gesetzlich vorgeschrieben. Sieben solche Räume, verteilt auf die beiden Obergeschosse, stehen nun zur Verfügung. Um den dafür nötigen Platz zu gewinnen, wurden die Klassenzimmer verkleinert. Unter anderem hier zeigt sich der Wandel der schulischen Bedürfnisse: In den 70er Jahren betreuten rund zwölf Lehrkräfte die zwölf Klassen. Heute sind für die gleiche Anzahl Klassen rund 45 Lehrpersonen (inklusiv Teilpensen) angestellt. Daraus resultiert zusätzlicher Raumbedarf, der nun geschaffen wurde: Schulleiterbüro, Lehrervorbereitungszimmer, Multifunktionsraum etc.
  • Klassenzimmer: Überall sind neue Schränke und schallschluckende Decken eingebaut worden. Die Klassenzimmer sind zudem dank Integral-Activboards mit modernster Lerntechnologie ausgerüstet ¬– ohne auf die klassische Wandtafel verzichten zu müssen. So können sich die Schülerinnen und Schüler unbeschwert mit den neuen Techniken vertraut machen.
  • Innenausbau: Türen, Schränke und Arbeitsflächen sind erneuert worden. Asbestbeläge hinten den Heizkörpern wurden fachgerecht entfernt.
  • Turnhalle: Boden und Fenster sind neu. Die Halle ist den Erfordernissen des Brandschutzes (zwei Ausgänge, Fluchtwege) angepasst worden.
  • Forum: Zu den Vorzeigestücken des bestehenden Baus gehört das Forum, das für Konzerte, Theater und andere Veranstaltungen genutzt wird. Die Bühnentechnik ist neu. Am Boden ist ein gekörnter Kunststein verlegt worden, der einen gestalterischen Bezug zu den 70er Jahren herstellt.
  • Aussenbereich: Der Zutritt zum Schulhaus wird optisch geprägt durch einen mäanderartig gestalteten Pavillon. Er schafft eine Abgrenzung zur Strasse und enthält Nebenräume, die unter anderem als Veloabstellplätze dienen.
  • Beleuchtung: Das neue Beleuchtungskonzept lebt von einem Gegensatz: Spielerisch, unregelmässig angeordnete Leuchten an Orten wie Gängen, wo man sich bewegt und umhergeht. Strenge Anordnung dort, wo man sitzt und arbeitet, etwa in der Bibliothek und in den Klassenzimmern.
  • Kunst: Ein Bijou ist der Sichtschutz aus Plexiglas in den Gruppenräumen. Das Werk des Bülacher Künstlers Ueli Gantner ist aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen. Es handelt sich um raffiniert angeordnete Lamellen in den Farben rot, gelb, blau und orange. Sie sind eine lichtdurchlässige Alternative zu Vorhängen.

Kosten und Behördenentscheide

Die Gesamtkosten der Erneuerung belaufen sich voraussichtlich auf 24,5 Millionen Franken. Der bewilligte Kredit (inklusiv Teuerung und Nachtragskrediten) weist einen Betrag von 23,347 Millionen Franken aus. Die Abweichung gegenüber dem Schlussbetrag erweist sich angesichts der Grösse und Komplexität des Vorhabens als verhältnismässig. Insgesamt hat die Erneuerung das Schulhaus auf den Stand der Zeit gebracht, sodass in den nächsten 25 Jahren nur kleinere Unterhaltsarbeiten zu erwarten sind. Vor dem Entscheid zur Gesamterneuerung wurde auch die Option Neubau evaluiert. Sie wurde aber wegen zu hoher Mehrkosten verworfen. Studien zeigten, dass ein Neubau gegenüber dem Umbau rund 20 Millionen Mehrkosten nach sich gezogen hätte.

Für die Gesamterneuerung bewilligte die Primarschulpflege am 22. Mai 2012 einen Betrag von 20,079 Millionen Franken unter dem Titel gebundene Kosten. Letzteres deshalb, weil sie die Erneuerung als unaufschiebbar und unausweichlich einstufte. Der Bezirksrat stützte diesen Entscheid und lehnte eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Beschluss der Schulpflege ab. Am 18. März 2013 sprach der Bülacher Gemeinderat (Parlament) zusätzlich einen Betrag von 2,651 Millionen Franken für die ungebundenen Kosten. Der Entscheid fiel einstimmig.

Das Provisorium

Die Gesamterneuerung machte es erforderlich, den Schulbetrieb im Verlaufe der einjährigen Bauzeit in ein Provisorium auszulagern. Dieses bestand aus 168 Containereinheiten, die auf der Spielwiese aufgestellt wurden. Unter erschwerten Umständen fand der Unterricht bis Ende Sommerferien 2015 in den Containern statt. Einzig das Schwimmbad und die Turnhalle konnten im Schulhaus genutzt werden.

Ausblick und Einordnung

Das Schulhaus Schwerzgrueb (Schwerzgruebstrasse 24) ist eines von vier Primarschulhäusern in der Stadt Bülach, zu denen auch das Hohfuri, Lindenhof und Böswisli zählen. Insgesamt sind in Bülach derzeit 1457 Kinder auf der Primarschulstufe (Kindergarten bis sechste Klasse) eingeschult. Parallel zur Zunahme der Bevölkerungszahl zeichnet sich in Zukunft ein steigender Bedarf an Schulräumen ab. Mit dem nun abgeschlossenen Umbau des Schulhauses Schwerzgrueb – es ist das zweitkleinste in Bülach -  geht für die Stadt eine wichtige Sanierungsetappe zu Ende. Als nächstes bedeutendes Vorhaben steht die Sanierung des Schulhauses Böswisli an. Um Platz zu schaffen, wird ein alter Pavillon, der 1962 als Provisorium geplant worden war, abgerissen und ersetzt, weil er für den Schulbetrieb nicht mehr zumutbar ist. Der Bezug ist auf Schuljahresbeginn 2016/17 geplant. Das Stadtparlament hat hierfür einen Kredit von 4,3 Millionen Franken bewilligt. Das Schulhaus Hohfuri ist bereits saniert. Für das Lindenhof bestehen derzeit keine Pläne.

Hinweis

Am Samstag, 26. September 2015 findet im Schulhaus Schwerzgrueb von 13.30 Uhr bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür für die Bevölkerung sowie ein Behördenempfang statt.

Impressionen 

Impressionen des Schulhaus' Schwerzgrueb finden Sie nachfolgend in der Bildergalerie.