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Geschichte
Die Gegend um Bülach bildete bereits in vorgeschichtlicher Zeit eine Siedlungszone. Während der Römerzeit befand sich auf dem Gebiet der heutigen Stadt ein Gutshof des Gallorömers Pullius, aus welchem Ende des 5. Jahrhunderts ein Dorf entstand. Im Jahr 811 wird Bülach unter dem Namen "Pulacha" erstmals urkundlich erwähnt. Archäologische Spuren lassen jedoch vermuten, dass die Ortschaft bereits im Jahrhundert zuvor besiedelt war.
Auch in Pulacha hielt das Christentum während der Alemannenzeit Einzug. So bezieht sich die erste urkundliche Erwähnung auf eine Kirche, die dem heiligen Laurentius geweiht war. Gemäss einer Legende erlitt Laurentius den Märtyrertod durch Verbrennung lebendigen Leibes auf einem Feuerrost. Die Stadt Bülach nahm ihm zu Ehren den Rost in ihr Stadtwappen auf.
Stadt- und Marktrecht
Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert wurde Bülach von verschiedenen kirchlichen und weltlichen Herrschaften regiert. 1384 verlieh Erzherzog Leopold von Österreich Bülach das Stadt- und Marktrecht mit eigener niederer Gerichtsbarkeit. 1412 wurde Bülach, zusammen mit den Aussenwachten Bachenbülach, Niederflachs und Nussbaumen zur zürcherischen Obervogtei ernannt. Der Stadtkern gehörte fortan zu den sechs ummauerten zürcherischen Landstädtchen.
1386, während des Sempacherkriegs, wurde die Stadt von den alten Eidgenossen in Brand gesteckt. 1444 und 1506 brannte Bülach nochmals vollständig nieder.
Das städtische Leben spielte sich im alten Bülach im bäuerlichen Rahmen ab. Die meisten Einwohner waren zunächst in der Landwirtschaft tätig. Mit dem Untergang der alten Eidgenossenschaft von 1798 verlor Bülach sein Stadtrecht. Hingegen ist das Marktrecht zu einer bis heute andauernden Tradition geworden. Dreimal jährlich findet in der Altstadt ein Warenmarkt statt, zu Beginn der Adventszeit folgt der Weihnachtsmarkt.
Bülach und Seldwyla
In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab der Dichter Gottfried Keller sein bekanntes Buch "Die Leute von Seldwyla" heraus. Gleich darauf entbrannte in Bülach die Diskussion, ob die Stadt wohl dem Dichter als Vorbild für sein Seldwyla gedient hätte. Die Vermutung lag nahe, weil Gottfried Keller öfters seine Verwandtschaft im benachbarten Glattfelden besucht hatte und Land und Leute gut kannte. Dabei war die Gleichsetzung mit Seldwyla gar nicht schmeichelhaft, werden deren Bürger doch als schrullig und leichtlebig dargestellt. Die Frage jedoch wurde weder zu Lebzeiten des Dichters noch später geklärt und schwebt seither unbeantwortet über den Dächern von Bülach.
Wirtschaftliche Entwicklung
1876 wurde Bülach durch eine Linie nach Zürich, 1876/77 nach Winterthur und Baden, an das schweizerische und internationale Bahnnetz angeschlossen. Als Folge davon setzte die Entwicklung des Gewerbes und der Industrie ein, eingeleitet durch die Erstellung der Glashütte im Jahre 1891.
Heute ist Bülach mittels direkten Zügen mit Stuttgart und Mailand verbunden, im Agglomerationsverkehr besteht ein dichtes Verbindungsnetz mit den Zentren Zürich, Winterthur und Schaffhausen sowie per Buss mit dem nahe gelegenen Flughafen Zürich-Kloten.
Das Rathaus
Das Rathaus, das alte Schulhaus an der Hans-Haller-Gasse 9, das Sigristenhaus und zwei weitere Wohnstätten bilden mit der inmitten einer Grünfläche auf einer sanften Erhebung stehenden Ref. Kirche den Kern der Altstadt. Das Rathaus wurde 1672/73 durch den Baumeister Heinrich Gassmann errichtet. In den Jahren 1745 und 1803 fanden kleinere Renovationen statt, 1831 wurde das Rathaus im Zusammenhang mit der Erhebung Bülachs zum Bezirkshauptort zum Bezirksgebäude ausgebaut.
Der Rathaussaal
Im ersten Obergeschoss liegt der typischen Renaissance-Barock-Übergangsstil ausgeführte Rathaussaal. Prächtig präsentiert sich bereits der Zugang zum Saal: Die Nussbaumtüre besitzt ausserordentlich reichhaltige Beschläge. Im Innern des Saales prunkt ein Nussbaumbuffet in typischer renaissancehafter Detailliebe mit vielfältigen und kleinteiligen Ornamentsschnitzereien. Auch ein zinnernes Giessfass ist gleich eingebaut.
Das raumbeherrschende Prunkstück des Saales ist aber zweifellos der 1673 von Hans Heinrich Graf (1635 - 1696) erstellte achteckige Turmofen mit den Fayence-Malereien von Heinrich Pfau (1642 - 1719). Der zweigeschossige Ofen steht auf gebrauchten Sandsteinfüssen und folgt einem üblichen Aufbau mit Unterbau, Turm und Wandverkleidung. Den oberen Abschluss des Ofens bildet ein auskragendes Kranzgesimse mit bekrönendem Puttenfries aus durchbrochenen Reliefkacheln, in welches eine Wappenkartusche mit der Jahreszahl 1673 eingesetzt ist. Unterbau, Oberbau und Wandverkleidung werden durch lisenenartig hervortretende Eckkacheln und reich profilierte Gesimskacheln in niedere Füllungsfriese und hochrechteckige Füllungsfelder unterteilt. Die struktiven Eckkacheln sind beim Unterbau und der Wandverkleidung mit Aposteldarstellungen und am Turmaufsatz mit Darstellungen der acht Tugenden bemalt. Auf den Füllungskacheln sind in rollwerkartigen Kartuschen Szenen aus der Genesis mit Begleitsprüchen dargestellt. Das Fries beim Kranzgesimse enthält die Wappen der Stadtvorsteher sowie Masken- und Jagddarstellungen. (Quelle: Schweizerische Kunstführer).
Im Rathaussaal finden die Trauungen statt. Grundsätzlich alle zwei Wochen tagt der Stadtrat im Rathaussaal. Im übrigen dient er heute als Sitzungszimmer.

Der Turmofen im Rathaussaal.